ÜBER UNS

 

[english text below]

Seit 13 Jahren bewohnen wir mit insgesamt 16 Menschen das Haus in der Fährstraße 115 (HH-Wilhelmsburg). Uns verbinden emanzipatorische Grundsätze und der Anspruch auf eine solidarische Wohnform. Mit dem Ziel, das gemeinsame Wohnen zu bezahlbaren Mieten dauerhaft zu sichern, wollten wir mit Hilfe des Mietshäuser Syndikats unser Haus kaufen.

Dem vorausgegangen war eine langjährige, arbeitsreiche und kostenintensive Vorbereitungsphase. Im Februar 2020 haben wir den Kaufvertrag unterschrieben – doch kurz bevor die Sektkorken knallen konnten, hat die Stadt Hamburg uns einen Strich durch die Rechnung gemacht: sie möchte das Haus selbst kaufen und schon Anfang 2023 mit dem Abriss beginnen!

Der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) möchte auf Veranlassung des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) im Auftrag der Behörde für Umwelt und Energie (BUE) das städtische Vorkaufsrecht wahrnehmen. Der LSBG argumentiert, dass auf dem jetzigen Areal der Fährstraße 115 ein „Deichschutzstreifen“ notwendig wäre – im Endeffekt eine WIESE.

Angeblich ist ein Abweichen von dieser Vorschrift nicht möglich, obwohl laut Deichordnung explizit Ausnahmen machbar sind und weite Teile des Deichs in der Umgebung keinen solchen Deichschutzstreifen aufweisen. Nur weniger Meter entfernt, entsteht aktuell der Neubau des sogenannten Spreehafenviertels, wo nach den aktuellen Plänen der angrenzende Deich auf andere Weise (ohne einen solchen Schutzstreifen) gesichert wird.

Abgesehen davon befindet sich genau gegenüber der Fährstraße 115 ein weiteres Haus, welches nach den Plänen der LSBG ebenso betroffen wäre. Dieses Haus gehört einer großen Hamburger Baugenossenschaft. Sowohl LSBG als auch LIG haben bereits bestätigt, dass keine Enteignungen für das Areal geplant sind. Somit wird der (laut LSBG) angeblich dringend notwendige Deichschutz für das gesamte Areal auf absehbare Zeit nicht realisierbar sein.

Bereits in den 90iger Jahren wurden Planfeststellungsverfahren im Auftrag der Umweltbehörde durchgeführt, die das Fehlen eines Deichschutzstreifens zeigen. Zu diesem Zeitpunkt gehörte das Haus der (damals noch städtischen) SAGA und stand jahrelang leer. Statt entsprechende Maßnahmen zum Deichschutz umzusetzen, verkaufte die Stadt das Haus 2006 an den jetzigen Eigentümer. 2011 stellte die Internationale Bauausstellung (IBA) neue Pläne und Konzepte für den Stadtteil Wilhelmsburg zur Deicherhöhung vor, die mögliche Alternativen aufzeigen wie der Fortbestand unseres Hauses mit dem Deichschutz vereinbar wäre. Aktuell sieht es jedoch nicht so aus als ob die LSBG Alternativen prüft, die einerseits günstiger sind und zudem nicht unnötigerweise bezahlbaren Wohnraum sowie kollektives Zusammenleben zerstören.

Wir fordern die Stadt Hamburg auf, ihre eigenen Versäumnisse nicht auf unserem Rücken auszutragen und von ihrem Vorkaufsrecht zurückzutreten!

Hände weg von unserem Haus!

Eine ausführlichere Stellungnahme der Bewohner*innen findet ihr unter Statement.


For 13 years now, we have been living with 16 people in the house at Fährstraße 115 (HH-Wilhelmsburg). We are united by the principle of emancipation and a solidarity-based form of living. With the aim of permanently assuring affordable rents we wanted to buy our house with the help of the Mietshäuser Syndikat. This was a long, work- and cost-intensive period for us. In February 2020, we signed the contract – but shortly before the champagne corks popped, the city of Hamburg put a spoke in our wheel: they want to buy the house themselves and start demolition work as early as 2023!

The Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) wants to use the city’s right of first refusal on behalf of the Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) alongside the Behörde für Umwelt und Energie (BUE). The LSBG argues that a “dyke protection strip” would be necessary on the current area of the Fährstraße 115 – in the end a TURF.

Allegedly, it is not possible to deviate from this regulation, although according to the dyke law exceptions are explicitly feasible and large parts of the dyke in the vicinity do not have such a dyke protection strip. Only a few metres away, the new so-called Spreehafenviertel is currently being built, where according to current plans the adjacent dyke will be secured in a different way (without such a protective strip).

Apart from this, there is another building directly opposite Fährstraße 115, which would also be affected according to the plans of the LSBG. This house belongs to a large Hamburg building cooperative. Both LSBG and LIG have already confirmed that no expropriations are planned for the area. Thus, the allegedly urgently needed dyke protection for the entire area (according to LSBG) will not be feasible in the foreseeable future.

Planning approval procedures were already carried out on behalf of the environmental office in the 1990s, which showed the lack of a dyke protection strip. At that time, the house belonged to the (at that time still municipal) SAGA and stood empty for years. Instead of implementing appropriate dyke protection measures, the city sold the house to the current owner in 2006. In 2011, the International Building Exhibition (IBA) presented new plans and concepts for protecting the dyke in the Wilhelmsburg district, which show possible alternatives to how the existence of our house would be compatible with dyke protection. At the moment, however, it does not look as if the LSBG is examining alternatives that are cheaper on the one hand, and on the other hand do not unnecessarily destroy affordable living space and collective coexistence.

We call on the City of Hamburg not to place responsibility for its failures at our door, and to withdraw its right of first refusal!

Hands off our house!